Reich werden mit aktuellen Sparzinsen?

Reich werden mit aktuellen Sparzinsen?

Ein Online-Vergleich der aktuellen Bankkonditionen bei österreichischen Banken lässt einen dazu verleiten, die Antwort mit Nein zu beantworten. Sehen wir uns aber die derzeitigen Angebote der Banken genauer an sowie mögliche Alternativen zur Geldanlage.

Wer gilt überhaupt als reich?

Einer aktuellen Studie der Schweizer Großbank Credit Suisse nach, liegt das Durchschnittsvermögen pro erwachsenen Österreicher bei rund 172.400 Euro. Beim Vermögen werden neben finanziellen Kapitalwerten (Bargeld, Sparbuch, Wertpapiere,…) auch Sachwerte wie Immobilien dazu gerechnet und etwaige Schulden (Fremdkapital) abgezogen. Damit liegen wir in Österreich, hinter Frankreich, Belgien und Italien in der Eurozone am vierten Platz.

Bin ich arm – wer hat meine 172.400 Euro?

Bevor sie sich aber denken, dass sie vielleicht zu den armen Bevölkerungsschichten zählen, sei noch erwähnt, dass das weltweite Durchschnittsvermögen derzeit bei 52.400 US-Dollar liegt. Und um zu den reichsten 50 Prozent der Menschen zu gehören, reichen lediglich 3.210 US-Dollar an Vermögen.

Ein Betrag, der bei vielen österreichischen Haushalten einfach am Girokonto liegt. Dies geht aus der aktuellen Sparstudie für 2015 der Imas im Auftrag der ERSTE Bank hervor. Rund 24 Prozent der Österreicher lassen einen positiven Saldo auf dem Gehaltskonto bzw. Girokonto liegen. Der Grund: die niedrigen Sparbuchzinsen und mangelnde Angebote an hohen Sparzinsen.

Niedrige Sparzinsen führen zu anderen Sparzielen

Das Hauptmotiv Nummer 1 für Sparen ist nach wie vor das Zurücklegen eines Notgroschens. Die finanzielle Absicherung für Notfälle ist für 85 Prozent der Österreicher ein wichtiger Aspekt. Aber die zweithöchste Motivation zu sparen ist derzeit für zukünftige Renovierungen vorzusorgen. Hierfür wird kurzfristig gespart, bei den folgenden Gründen eher langfristig. Und zwar für die Pensionsvorsorge sowie Großanschaffungen wie Haus, Wohnung, Auto. Um sich später etwas leisten zu können, wie Flachbildfernseher, PC, etc. sowie auf Urlaub zu reisen gilt für je knapp ein Drittel der Österreicher als Motivation. Das Motto für 2015 lautet also „Lieber schöner wohnen, als konsumieren!“

Wo gibt es hohe Sparzinsen – ein Vergleich

Nach unserem Sparzinsenrechner, wo aktuell die derzeit besten Bankkonditionen sowie Sparbuchzinsen einfach und schnell ermittelt werden können, hat die Santander Consumer Bank die höchsten Sparzinsen. Mit 1,15 % auf täglich fällige Spareinlagen liegen sie vor dem niederländischen MoneYou und dem österreichischem Hellobank Angebot mit jeweils 1,10 Prozent p.a.

Bei längerer Bindung (12 Monate) hat die J&T Banka (Savedo Österreich) mit 1,6 Prozent p.a. das höchste Sparzinsen-Angebot. Wenn aber die österreichische Einlagensicherung gelten soll, findet man bei der Santander Bank wieder das beste Sparbuch mit 1,35 % p.a.

Schöne, aber leider keine guten Sparzinsen

Zum anstehenden Weltspartag kündigt die Bank Austria das neue KünstlerSparbuch an. Es wird schön anzusehen sein, da es von Natalja Gontscharowa mit dem Motiv „Selbstportrait mit gelben Lilien“ gestaltet wird. Jedoch bringt es die limitierte Auflage bei 19 Monaten Laufzeit auf nur 0,375 Prozent p.a. Sparzinsen. Für Kinder gibt es zu einer KidsCard im Fix & Foxi-Design auch noch eine DVD dazu. Vielleicht sind Naturalzinsen die neue und lukrativere Form der Sparverzinsung.

Lockangebot oder Vorbereiten der Kinder aufs Sparen

Ins Auge sticht derzeit ein Plakat, das aktuell mit 3 Prozent Sparzinsen wirbt. „Sparefroh sparen“ nennt sich das Angebot der ERSTE Bank und wendet sich ebenfalls an Kinder bzw. deren Erziehungsberechtigten. Bei genauerer Betrachtung wird aber schnell klar, dass man hier auch nicht reich werden kann. Der relativ hohe Sparzins gilt nämlich nur bis zu einem Sparbetrag von maximal 500 Euro und auch nur bis das Kind 10 Jahre alt ist. Danach fällt auch hier der Zinssatz auf 0,125 Prozent herab.

Macht dieses Sparbuch dann überhaupt Sinn?

Ja, den damit kann dem Kind im frühen Alter bereits der richtige Umgang mit Geld gelernt werden. Sparverhalten, Disziplin und Geduld zu lehren sind wichtige Eckpfeiler bei der zukünftigen Geldanlage. Mit drei Prozent auf 500 Euro erhält das Kind zwar „nur“ netto 12 Euro (nach KESt) an Sparzinsen. Jedoch stellen sie sich das Funkeln in den Augen der Kinder und den Stolz vor, wenn der erste Einkauf mit dem selbst angesparten Geld bezahlt wird. Ein Lerneffekt, der das restliche Leben hält und das Konsumverhalten prägen wird.

Wie erreicht man nun das Durchschnittsvermögen?

Die Mehrheit der Österreicher bevorzugt auch 2015 hauptsächlich das Sparbuch, Bausparen und die Lebensversicherung als Sparform. Die höchste Wahrscheinlichkeit ein Kapitalvermögen in der Höhe von 172.400 Euro zu ersparen, liegt aber woanders. Und zwar bei Wertpapieren und Fonds. Wer bei null anfängt, braucht dazu aber Geduld und Disziplin.

Der Vergleich Sparbuch

Im Durchschnitt sparen aktuell die Österreicher 201 Euro im Monat. Lässt man diesen Betrag am Girokonto einfach liegen, dann kumuliert sich der Kontostand nach 25 Jahren, bei derzeit 0,125 Prozent, auf 61.254,67 Euro. Der Zinsertrag liegt somit bei 954,67 Euro. KESt und etwaige Gebühren lassen wir dabei unbeachtet, da wir die zukünftigen Entwicklungen nicht berücksichtigen können. Ergo, mit der „Kopf in den Sand“ Taktik wird niemand reich werden.

Die alternative Lösung

Wertpapiere und Fonds werden von traditionellen Sparern gemieden. Man ist skeptisch und meidet das Risiko vor Kapitalverlusten. Wie hoch ist aber das tatsächliche Risiko mittels eines langfristigen Sparplans? Betrachten wir einen der größten Investmentfonds, der am europäischen Aktienmarkt anlegt. Der Fidelity European Growth Fund gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Aktienfonds in Österreich. Was wäre aus 201 Euro monatlich nach 25 Jahren Sparzeit tatsächlich geworden?

Chartentwicklung Fidelity European Growth Sparplan

Chart von fondsweb.de

Wie wir sehen können, entwickelte sich das Depot auf einen beachtlichen Wert von 207.945,79 Euro. Das entspricht einer Rendite von 8,81 Prozent p.a. und einem Plus von 147.444,79 Euro.
Fazit: Mit einer durchschnittlichen Sparleistung von 201 Euro im Monat erreichte man nach 25 Jahren sogar mehr als das Durchschnittsvermögen eines Österreichers.

Die Skeptiker werden natürlich anmerken, dass vergangene Erträge nicht für die Zukunft gelten. Aber was spricht dagegen? Sehen Sie den Einbruch 2000 bis 2003 – auch in dieser Zeit hat niemand geglaubt, dass es jemals wieder besser wird. Untergangsszenarien und das Ende des Kapitalismus wurden herbei geschworen. Aber nein, es geht immer weiter. Und einer der größten Gedankenfehler bei der Geldanlage lautet: „diesmal ist ja alles anders“. Nein, ist es eben nicht. Die Welt dreht sich weiter und selbst wenn man zum höchsten Kurs beginnt einen Sparplan einzurichten, wird man über die Jahre hinweg mit dem Cost-Average-Effekt belohnt.

Die neuen Milliardäre kommen aus China

Es gibt bereits mehr Milliardäre in China als in den USA. Rechnet man die Milliardäre aus Hongkong, Macao und Taiwan dazu, sind es sogar 715. Im Vergleich dazu befinden sich „nur“ 537 US-Amerikaner auf der Liste der Superreichen. Aber nicht nur die Superreichen nehmen zu in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde. Auch die Mittelschicht wird immer breiter und trägt mit ihrem Konsumverhalten zum Aufstieg bei. Dieses Phänomen trifft genauso in Ländern wie Brasilien, Indien und Teilen von Afrika auf und leitet die nächste große Welle von allgemein steigenden Kursen ein.

Wir vergessen in unserem Wohlstand immer, dass die Mehrheit der Menschheit noch nicht unseren Standard in der westlichen Welt erreicht hat. Die Dynamik und Ehrgeiz dieser Leute ist aber enorm hoch und somit ist dem weiteren Wachstum noch lange keine Grenzen gesetzt. Investmentfonds bieten die Chance sowie die Möglichkeit von diesen Trends mit zu partizipieren. So einfach kann ertragreiche Geldanlage sein. Geduld, Ausdauer und Disziplin sind aber notwendig, um auch in der heutigen Zeit mit überdurchschnittlichen Renditen ein kleines Vermögen aufzubauen.

Bitte beachten

Der oben genannte Investmentfonds (Fidelity European Growth) wurde nur zur Veranschaulichung verwendet. Es handelt sich dabei um keine Kaufempfehlung. Besprechen Sie bitte allfällige Geldanlage-Fragen mit Ihrem Vermögensberater oder Bankberater, der Ihnen auch weitere Beispiele zeigen kann und für Ihre persönliche Situation die beste Lösung findet.

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